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Sonntag, 7. Dezember 2014

Sentimentaler Quatsch

Illustration von Krisi Sz.-Pöhls
Verdrossen stapfte Sigurd von einem Fuß auf den anderen. Musste im Supermarkt dieses blöde Weihnachtsgedudel spielen? Er hielt nichts vom Christfest, war froh, dass ihm Inge nicht mehr mit ihrer Sentimentalität auf den Geist ging. Trotzdem musste er ein paar Lebensmittel einkaufen, bevor die Läden drei Tage geschlossen waren. Nun stand er zwischen hektischen Frauen, erwartungsvollen Kindern und genervten Ehemännern eingezwängt, schaute auf die letzten Schokoladenweihnachtsmänner an der Kasse und hörte Weihnachtslieder.
Es schneite, als er nach Hause lief. Die alte Frau Meyn von gegenüber quälte sich mit dem Schneeschieber ab. Kurzerhand stellte er seine Tasche auf den Betonpfeiler ihrer Gartenpforte, nahm ihr die Schaufel ab und schob den Schnee schnell beiseite.
„Oh, vielen Dank, warten Sie einen Augenblick", sagte die alte Dame und verschwand in ihrem Haus.
Sigurd fegte den Eingang und die Treppe. Dann streute er Sand.
„Eine Kleinigkeit für Sie. Ich darf es doch wegen des Zuckers nicht essen", sagt Frau Meyn und hielt ihm ein in Weihnachtspapier verpacktes Geschenk hin.
Sigurd wollte ablehnen, aber als er in ihr strahlendes Gesicht blickte, brachte er es nicht über sich. Er bedankte sich, schnappte seine Tasche und verschwand.
Kaum hatte er seine Einkäufe verstaut, klingelte es. An der Tür stand Sascha mit einer großen Tasche.
„Sigurd, du musst uns retten. Unser Weihnachtsmann hat abgesagt."
„Und was hat das mit mir zu tun?"
„Du hast doch nichts vor und da dachten wir ..."
„Ich? Nee, schlag es dir aus dem Kopf."
„Das geht nicht. Merle und Joakim warten auf den Weihnachtsmann."
Sigurd schüttelte den Kopf.
„Du bist uns einen Gefallen schuldig. Schließlich hat Kathrin für dich eingekauft, als du den Gipsfuß hattest."
Mit zusammengebissenen Zähnen nahm Sigurd die Tasche und die Anweisungen entgegen.
 

Sonntag, 15. April 2012

Der Nachbar

„Herr Meyenbach, könnten Sie bitte..."
„Nein", unterbrach sie der Alte.
„Meine Mutter kann es nicht mehr selbst", bat Inge.
„Mir hilft auch keiner." Herr Meyenbach zog seine zottigen Brauen zusammen.
„Ich dachte, die Arbeit im Garten würde Ihnen Freude machen", fuhr Inge fort. Sie atmete tief durch. Warum machte der Alte ihr immer noch Angst?
„Der Garten?"
„Nach dem Schlaganfall kann meine Mutter ihn nicht mehr versorgen, aber sie hängt so an ihm. Für Sie ist es doch auch netter, wenn er gepflegt aussieht."
Herr Meyenbach brummelte vor sich hin und schlug die Tür zu.
Enttäuscht ging Inge die Treppe hinunter. Musste der Alte so eklig sein?
Als sie ein paar Stunden später in der Küche das Abendessen richtete, sah sie aus dem Fenster und staunte nicht schlecht.
Herr Meyenbach stützte sich auf den Spaten, wischte sich mit einem karierten Taschentuch die Stirn ab und betrachtete das umgegrabene Beet.
Hörte sie ihn wirklich pfeifen?

"Der Nachbar" ist eine Leseprobe aus:

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Samstag, 28. Januar 2012

Tim kümmert sich

„Hol ihn!“ Tim warf den Ball. Flocke jagte hinterher und brachte ihn zurück. Immer wieder rannte der kleine Hund. Schließlich nahm Tim ihn wieder an die Leine und ging auf das Haus zu. Frau Martens, ihre Nachbarin, öffnete ihnen die Tür. Auf Krücken humpelte sie mit ihrem Gipsbein in die Küche. „Gut, das ich euch habe, alleine könnte ich mich nicht versorgen.“
Tim stellte den Korb mit den Einkäufen auf den Küchentisch und räumte Milch, Eier und Aufschnitt in den Kühlschrank.
„Aber Sie haben doch Kinder“, widersprach er.
„Peter muss viel arbeiten. Und Renate lebt in Neuseeland.“
Tim nickte. Mutter meinte immer, Peter würde sich nicht um seine Mutter kümmern, aber das behielt Tim lieber für sich. An Renate erinnerte er sich nur noch dunkel, sie war vor fünf Jahren fortgezogen.
„Nina kommt nachher vorbei. Ich muss jetzt zum Fußball!“ Tim sprang pfeifend die Stufen beim Hauseingang hinab und rannte zu ihrem Haus hinüber.
Das Fußballtraining war wieder klasse. Tim schoss sogar ein Tor. Daheim hörte Mutter ihm gar nicht richtig zu, als er davon erzählte.
„Mama, was ist los?“, fragte er.
„Flocke ist tot!“ Nina kam die Treppe hinunter.
„Frau Martens bat mich, sie zur Tierklinik zu fahren. Aber es war zu spät, Flocke hatte Rattengift gefressen.“



"Tim kümmert sich" ist in "Die Krimizimmer(ei)", Papierfresserchens MTM-Verlag, veröffentlicht worden.