Posts mit dem Label Urlaub werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Urlaub werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 22. Juni 2014

Urlaub in der Heimat



Nach langer Fahrt streckte sich Gerda. Das Dorf lag schön herausgeputzt vor ihr. Extra für die Touristen hatte es am Wettbewerb „Mein Dorf soll schöner werden“ teilgenommen.  Früher reichte die idyllische Lage am Waldrand in Seenähe schon aus, um die Feriengäste anzulocken. Doch heute konkurrierte es hoffnungslos gegen die Malediven und Seychellen.
Das alte reetgedeckte Fachwerkhaus mit den Geranien vor den Fenstern erinnerte Gerda an die Kate ihrer Großmutter.  Klein, alt und ziemlich verkommen. Aber blitzsauber und immer mit reichlichen Blumenschmuck. Der Garten war ein wahres Blütenmeer. So mancher Besucher blieb bewundernd vor dem üppigen Staudengarten stehen. Sämtliche Ferien hatte sie dort verbracht. Enttäuscht, weil es wieder nur aufs Dorf ging, statt nach Spanien oder Italien, wie bei ihren Freundinnen.
Gerda schloss ihr Auto ab und trat an das Bauernhaus heran. Sie lächelte. Ihre Ferien auf dem Land waren beim Toben in Scheunen, Klettern auf Bäumen und Baden im Bach mit den Nachbarkindern sicher spannender gewesen, als in einem Hochhaus mit überfülltem Strand. Das hatte sie inzwischen kennengelernt. Jetzt konnte sie das Dorfleben wieder richtig genießen.


©Annette Paul

Sonntag, 28. Juli 2013

Kreative Muße




Träge lag ich im Liegestuhl. Bloß nicht rühren. Jede Bewegung oder Berührung schmerzte. Meine Arme und Beine sahen krebsrot aus. Trotz des Schattens unter dem Sonnenschirm trug ich eine langärmlige  Bluse und einen knöchellangen Rock. An meinen neuen, sexy Bikini war nicht mehr zu denken, anderenfalls hätte ich im stickigen Hotelzimmer bleiben müssen. Müde blickte ich aufs Meer.
Das kristallklaren Wasser erfrischt mich herrlich. Unter mir sah ich Fischschwärme vorüberziehen, der Himmel über mir war wolkenlos und das Meer lag ruhig wie ein Spiegel.
In der Ferne sprangen Delphine aus dem Wasser. Der Strand in dieser einsamen Bucht war genau der richtige Ort um kreativ zu arbeiten. Sobald ich aus dem Wasser stieg, würde mein Stift über das Papier eilen und Seite um Seite füllen. Endlich würde ich die Fortsetzung meines Bestsellers beenden, auf die mein Verleger schon sehnsüchtig wartete.
Der gut aussehende Animateur der Hotelanlage beugte sich über mich und küsste mich wach. Lächelnd öffnete ich die Augen und schaute mich verwirrt um.
Den jungen Mann erblickte ich nirgends, nur die übergewichtige, redselige Alte aus dem Nachbarzimmer. Stöhnend wendete ich mich ab und sah den widerlichen Grabscher, sollte der mich? Nicht in Gegenwart seiner Frau. Erleichtert ließ ich mich zurücksinken.

©Annette Paul

Sonntag, 9. September 2012

Verregneter Urlaub




Das Wetter entsprach ihrer Stimmung. Seit Tagen regnete es ununterbrochen. Dabei hatte sie sich so auf den Urlaub in Spanien gefreut. Monatelang hatte sie dafür gespart. Doch statt am Strand zu liegen und sich eine aufsehenerregende Bräune zu erarbeiten, nette Männer zu erobern und sich endlich einmal ungehemmt auszuleben, starrte sie die Wände ihres hässlichen Zimmers an. Nachmittags setzte sie sich in eine Bar. Aber wirklich nette Leute hatte sie dort noch nicht kennengelernt. Dafür lösten sich ihre schicken roten Sandaletten auf, nachdem sie mit ihren durch den Bach, der sich Straße nannte, gewatet war. Seitdem lief sie barfuß zu den Bars. Sie musste ziemlich suchen, um überhaupt noch welche zu finden, die offen hatten. Die Familie aus dem Nachbarzimmer war vorzeitig abgereist. Jeden Morgen trafen sich im Frühstückszimmer weniger Gäste. Sie seufzte. Einfach nur grausam. Dann konnte sie sich genauso gut auf ihre Abschlussprüfung zum Einzelhandelskaufmann vorbereiten. Sie öffnete ihren Koffer und zog ein Buch heraus.


© Annette Paul

Sonntag, 29. Juli 2012

Häutung



Beate färbte im Hotel ihre Haare rot und stylte sie mit Gel hoch. Dann zog sie sich das hautenge schwarze Minikleid an und ließ ihr graues Kostüm im Schrank  verschwinden. Ob dieser süße dunkelhaarige Kellner noch zu haben war?
Auf hochhackigen Sandaletten stöckelte sie die Treppe herunter.
„Frau Walter, nein, ich hätte Sie fast nicht erkannt.“
Beate drehte sich um. Der feiste Horst-Udo Meierwald von der Einkaufsabteilung starrte sie mit weit aufgerissenem Mund an. Gierig wanderten seinen kleinen Augen über ihren Körper.


© Annette Paul