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Mittwoch, 17. Juni 2015

Immer diese Menschen




Mein Leseanfängerbuch „Immer diese Menschen“ benötigt eine Schönheitsbehandlung. Deshalb werde ich das Buch so nach und nach aus den verschiedenen Shops nehmen, um es später neu gestaltet wieder anzubieten. Ich bin schon ganz gespannt auf die neue Version.

Sonntag, 25. November 2012

Der bissige Hund




Rapunzel bringt mit Mara Tim nach Hause. Henny ist heute gleich nach der Schule zu ihrer Oma gefahren. Sie stehen eine Weile vor der Gartenpforte und unterhalten sich, dann gehen sie weiter. Bei der Bushaltestelle springt ein langhaariger Hund über die Straße und läuft kläffend zu einem kleinen Jungen, der mit seinem Roller vorbeifährt. Die ganze Zeit wackelt der Schwanz des Hundes hin und her. Der Junge dreht sich um und rollert uns hastig entgegen. Dabei verliert er das Gleichgewicht, fällt hin und bleibt weinend auf dem Fußweg liegen. Und dieses wilde Hund kommt immer näher. Ich kann es nicht mehr sehen und verstecke mich in Rapunzels Pulli.
Rapunzel rennt los.
Sie kniet sich bei dem Jungen hin. „Hast du dir weggetan?“, fragt sie.
Dabei kommt dieser schreckliche Hund immer näher und näher. Sein Bellen dröhnt in meinen Ohren.
„Rapunzel, steh auf und lauf weg!“, flehe ich. Doch meine Prinzessin hört nicht. Im Gegenteil, sie zieht den Jungen hoch. Dabei ist dieses Wischmopp auf vier Beinen schon fast bei uns. Wütend fletscht er die Zähne. Seine langen Stirnhaare sind mit einer Haarspange auf seinem Kopf zusammengebunden, damit er überhaupt etwas sehen kann. Kein Wunder, dass er so bösartig ist. Wenn ich so albern aussehen würde, wäre ich auch wütend.
„Beeil dich“, kreische ich. Doch Rapunzel beachtet den Hund gar nicht, sondern tröstet immer noch den kleinen Jungen.
Gleich erreicht uns dieses Ungeheuer und beißt Rapunzel. Aufgeregt laufe ich auf ihren Schultern hin und her. Ich muss etwas tun. Kurz bevor er Rapunzel etwas antut, springe ich todesmutig hinunter und stelle mich ihm in den Weg.
„Wage es nicht, meine Prinzessin zu beißen“, drohe ich ihm. Und wirklich, überrascht stoppt er ab. Dann nähert er sich mir drohend. Immerhin ist er erst einmal abgelenkt. Doch seine Zähne sind riesig und verspeisen lassen will ich mich nicht. Ich schlage also einen Haken um den liegenden Roller, nehme Anlauf und springe auf seinen Rücken.
 Damit ich nicht runterfalle, kralle ich mich in seinem Fell fest. Davon ist mehr als genug da. Dann arbeite ich mich zu seinem Kopf vor. Ich will in sein Ohr beißen. Ganz schaffe ich es nicht bis dorthin, denn jetzt schnappt der Kerl völlig über. Er dreht sich im Kreis und knurrt und rollt die Augen.
„Hilfe! Holt denn keiner die Polizei?“ Mir wird langsam schwindelig.
„Prinz, spring ab“, ruft Rapunzel. Einfacher gesagt als getan. Wenn ich springe, frisst mich der Kerl doch gleich. Und als Nachtisch sicher auch noch Rapunzel. Außerdem dreht sich alles vor meinen Augen.








 Leseprobe aus "Rattenprinzessin Rapunzel" von Annette Paul mit Illustrationen von Krisi Sz.-Pöhls, erhältlich bei Amazon,


Sonntag, 23. September 2012

Der Umzug




Rapunzel rennt hin und her. Dabei wirft sie Socken, Nachthemden und Pullis in einen Koffer. Als der Koffer voll ist, schmeißt sie den Rest einfach in einen großen Pappkarton. Ihr Spielzeug und ihre Bücher kippt sie obendrauf. Ich klammere mich eisern fest, bei ihrem Getobe habe ich Angst herunterzufallen. Wer nimmt in diesem verrückten Haus schon Rücksicht auf eine kleine Ratte? Jeder denkt nur an sich!
„Die Musikinstrumente packen wir mit den Koffern zuletzt in den Bus. Der Rest muss in den Laster“, sagt Nachtigall. Nachtigall ist die Mutter Rapunzels und der anderen Chaoten.
„In den Koffer passt nichts rein“, sagt Rapunzel.
„Dann packe es in einen Karton!“
„Habe ich schon gemacht. Das Futter von Prinz muss ganz weit nach oben.“
„Na, er freut sich bestimmt, wenn du ihn mit Käse und Schinken fütterst, statt mit Nagerfutter.“
Manchmal kann Nachtigall tatsächlich Gedanken lesen. Nicht, dass sie besser wäre, im Gegenteil. Sie und Picasso sind viel schlimmer als die anderen. Dabei sind sie die Eltern dieser Schreihälse. Ich bin der einzige Vernünftige hier, aber wer hört hier auf eine kleine goldfarbene Ratte?
Warum habe ich mir das bloß angetan? Ich hätte damals vielleicht lieber im Kanal ertrinken sollen, als bei Rapunzel zu leben. Ihre Familie ist eine verrückte Künstlerfamilie. Der Vater, Picasso genannt, ist Maler. Angeblich ist er sehr talentiert. Nur hat das noch nie jemand so richtig erkannt. Also malt er Bilder, die er nur selten verkaufen kann, und damit sie nicht alle verhungern, gibt er Unterricht an Kunstschulen und Volkshochschulen. Als ob das noch nicht schlimm genug wäre, ist die Mutter, genannt Nachtigall, Sängerin. Ab und zu hat sie ein gut bezahltes Engagement. Dann muss die ganze Familie deswegen umziehen. Zusätzlich gibt sie Musikunterricht. Und damit ich und die Nachbarn richtig belästigt werden, spielen sämtliche sechs Kinder mindestens zwei Instrumente. Ohne Ohrschützer hält es hier keiner aus.
Kein Wunder, wenn sie alle etwas merkwürdig sind. Zu den Kindern gehört zunächst einmal Winnetou, der Älteste und auch Vernünftigste. Kein Wunder, er musste als Baby auch noch nicht ganz so unter dem Lärm seiner Familie leiden. Wie Winnetou aus den Büchern versucht er immer Frieden zu schließen. Er ist achtzehn und steht kurz vor seinem Abitur.
Der nächste ist Zorro, ein Gerechtigkeitsfanatiker, er ist siebzehn. Es folgen die Zwillinge Rosenrot und Schneeweißchen. Sie haben früher immer mit dem Bernhardiner ihrer Großeltern gespielt und sogar in seinem Korb geschlafen. Picasso meinte, sie wären wie die beiden Schwestern aus dem Märchen, die mit dem Bären spielen. Beide sind sechzehn. Am liebsten würden sie sofort ausziehen. Aber Geld hat hier keiner, also müssen sie bei ihrer Familie bleiben, bis sie selbst Geld verdienen. Cäsar ist dreizehn. Er hat schon früh erkannt, dass irgendjemand das Ganze organisieren muss, daher kommandiert er gern herum.
Rapunzel ist das Nesthäkchen. Den Namen hat sie, weil ich an ihrem Zopf, ähm Schal, aus einem Schacht geklettert bin. Sie hat die Familie, dank meiner Hilfe, bisher ziemlich unbeschadet überstanden. Sie ist neun Jahre alt und geht zur Grundschule. Damit sie später einmal das Gymnasium besuchen kann, helfe ich ihr in der Schule und bei den Hausaufgaben.
Ich selbst bin Prinz. Ich stamme aus der königlichen Familie der Goldratten. Wir sind mit den Wanderratten verwandt. Schon als ich klein war, erzählte meine Mutter immer die Vorhersage des Wahrsagers: „Eines Tages wird ein Prinz aus der königlichen Familie von einer Menschenprinzessin gerettet werden. Zum Dank bleibt er bei ihr und dient ihr treu. Sobald ihre Liebe groß genug ist, verwandelt er sich in einen Menschen, heiratet seine Prinzessin und die beiden bekommen viele Kinder. Bis zu ihrem Lebensende leben sie glücklich in einem Schloss.“
Wenn wir allein waren, hat meine Mutter mir zugeflüstert: „Der auserwählte Prinz soll auf seiner Pobacke ein Muttermal haben. Du hast dieses Mal. Eines Tages wirst du ein mächtiger Menschenkönig werden.“
Stundenlang verbrachte ich als kleine Ratte damit, meine Pobacke zu betrachten. Ja, ich habe unter dem goldenen Fell ein dunkles Mal. Später, als Jugendlicher, lachte ich über diese alte Prophezeiung. Doch dann spülte mich ein Unwetter in diesen Schacht, und kurz bevor meine Kraft mich verließ und ich ertrank, erschien Rapunzel und rettete mich. Jetzt warte ich darauf, dass Rapunzel erwachsen wird und sich der weitere Teil der Prophezeiung erfüllt. Woher allerdings das Schloss kommen soll, ist mir noch unklar.

                      
   


 
  Leseprobe aus "Rattenprinzessin Rapunzel" von Annette Paul mit Illustrationen von Krisi Sz.-Pöhls, erhältlich bei Amazon




Sonntag, 8. Januar 2012

Goldhamster Goldi

Bild von Krisi Sz.-Pöhls
„Musst du blödes Vieh so einen Lärm machen?", schreit das Mädchen mich an. Dabei laufe ich doch nur etwas herum. Viel Platz ist hier nicht. Also muss ich meinen Laufdrang in diesem dämlichen Rad abarbeiten. Lieber würde ich daheim in der Wüste herumrennen. Dabei kenne ich sie gar nicht. Ich bin nämlich hier geboren. Und blöd bin ich schon gar nicht. Ich habe mich schließlich nicht in diesem kleinen Käfig eingesperrt.
Das Mädchen zerrt an dem Käfig. Vorsichtshalber flüchte ich in meine Höhle. Ängstlich spähe ich hinaus. Sie zieht den Käfig aus ihrem Zimmer hinaus. Jetzt stehe ich in einem Raum ohne Fenster, aber mit ganz vielen Türen. Das Mädchen verschwindet wieder und bald darauf ist es ruhig. Trotzdem warte ich noch eine Weile, bis ich mich hinaustraue. Misstrauisch schaue ich mich um. Erst als alles ruhig bleibt, steige ich wieder in das Rad und laufe noch ein paar Kilometer. Ich will schließlich meine schlanke Linie behalten. Irgendwann, die Nacht muss schon vorbei sein, werde ich müde und verkrieche mich in meine Höhle.
Noch im Halbschlaf höre ich Schritte. Dann scheppert es und der ganze Käfig wackelt. Vor Schreck falle ich fast in Ohnmacht. Eine Männerstimme schimpft. „Wer stellt den Käfig einfach in den Weg? Marie!"
Er reißt die Tür auf und das Mädchen sagt etwas. Es klingt recht mürrisch. Eine Weile reden sie miteinander. Schließlich zerrt es den Käfig wieder in das Zimmer zurück. Jetzt ist es überall laut und hektisch. Ich komme gar nicht zum Schlafen. Diese Menschen laufen hin und her und unterhalten sich lautstark. Dabei nehmen sie überhaupt keine Rücksicht auf mich. Irgendwo spielt Musik. Immer sind sie laut. Haben sie denn keine Angst, entdeckt zu werden? Endlich kehrt Ruhe ein. Ich fresse noch ein Stückchen Apfel. Dann verkrieche ich mich in die Höhle und baue mir ein gemütliches Nest. Bald darauf schlafe ich tief ein.

Jemand wühlt in meinem Nest herum. Erschrocken fahre ich zusammen und bleibe still liegen.




Leseprobe aus "Immer diese Menschen", illustriertes Kinderbuch für Erstleser. Erhältlich bei Amazon, itunes

Illustrationen von Krisi Sz.-Pöhls