Sonntag, 13. Mai 2012

Ausschlafen



Türknallen reißt mich unsanft aus dem Schlaf. Die Sonne scheint. Doch ein Blick auf den Wecker zeigt mir, dass es noch nicht einmal sechs Uhr ist. Müde drehe ich mich um und versuche, wieder einzuschlafen. Aber die Kinder tuscheln vor der Tür. Müssen sie unbedingt im Flur verhandeln? Endlich döse ich wieder ein.
Bumm, bumm, bumm. Müssen sie im Haus Ball spielen?
„Hört sofort auf damit“, schreie ich.
Wieder Getuschel. Einer schleicht über den Flur, klopft an die Tür.
„Ja“, murmele ich unwillig.
„Dürfen wir Computer spielen?“
„Meinetwegen“, knurrte ich. Ich drehe mich um.
Warum muss ich diese Frühaufsteher bloß in der Woche immer aus dem Bett scheuchen?

Sonntag, 29. April 2012

Liebesgeflüster


Emmi lächelte schüchtern.
„Sie sind so warmherzig und so eine aufmerksame Zuhörerin", lobte Georg und legte seine Hand auf ihre.
„Ich könnte Ihre Großmutter sein", wandte sie ein.
„Alter spielt heute doch keine Rolle mehr. Wir bleiben länger jung, leben viel länger. Gleichaltrige sind mir zu unreif, zu egoistisch. Bei Ihnen ist es anders. Sie nehmen an allem Anteil."
„Und Sie machen wirklich morgen mit mir den Rundflug? Alleine würde ich mich nie trauen." Emmi senkte den Blick und drehte das Glas zwischen ihren Fingern.
„Versprochen ist versprochen. Nach dem Tode Ihres Mannes müssen Sie sich doch einsam und hilflos fühlen. Aber Sie sind so tapfer." Georg bestellte noch einen Cognac für Emmi.
„Ja, mein Egon war so fürsorglich. Er hat immer an alles gedacht und mich gut versorgt zurückgelassen", erklärte Emmi. Von der Erinnerung bewegt tupfte sie sich die Tränen weg. Der junge Filou brauchte nicht zu wissen, dass ihre Versorgung nur im Wohnrecht des Hauses und ihrer Rente bestand.

Sonntag, 15. April 2012

Der Nachbar

„Herr Meyenbach, könnten Sie bitte..."

„Nein", unterbrach sie der Alte.

„Meine Mutter kann es nicht mehr selbst", bat Inge.

„Mir hilft auch keiner." Herr Meyenbach zog seine zottigen Brauen zusammen.

„Ich dachte, die Arbeit im Garten würde Ihnen Freude machen", fuhr Inge fort. Sie atmete tief durch. Warum machte der Alte ihr immer noch Angst?

„Der Garten?"

„Nach dem Schlaganfall kann meine Mutter ihn nicht mehr versorgen, aber sie hängt so an ihm. Für Sie ist es doch auch netter, wenn er gepflegt aussieht."

Herr Meyenbach brummelte vor sich hin und schlug die Tür zu.

Enttäuscht ging Inge die Treppe hinunter. Musste der Alte so eklig sein?

Als sie ein paar Stunden später in der Küche das Abendessen richtete, sah sie aus dem Fenster und staunte nicht schlecht.

Herr Meyenbach stützte sich auf den Spaten, wischte sich mit einem karierten Taschentuch die Stirn ab und betrachtete das umgegrabene Beet.

Hörte sie ihn wirklich pfeifen?


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Sonntag, 18. März 2012

Osterhasenkind Hopser

(...)

Nur Hopser darf nicht helfen. Hopser ist ein ganz kleines Osterhäschen. Der Jüngste in der Familie. Eigentlich ist er fast noch ein Baby. Deshalb darf er nur zusehen. Am Anfang findet er es spannend. An das vorige Osterfest erinnert er sich nicht mehr. Aber bald langweilt er sich.

„Papa, darf ich auch Eier anmalen?", fragt er und greift sich einen großen Pinsel, der auf Papas Arbeitstisch liegt.

„Nein, dafür bist du noch zu klein", sagt Papa und nimmt Hopser den Pinsel wieder aus der Hand.

„Aber ich will es lernen", sagt Hopser.

„Nach Ostern zeige ich es dir. Dann habe ich wieder Zeit", sagt Papa und malt weiter. Er ist so vertieft und hört gar nicht, wie Hopser sagt: „Ich will es jetzt lernen."

In einer Ecke der Werkstatt steht ein Herd. Dort stellt Mama Farbe her. Dazu kocht sie Pflanzen aus. Gerade stellt sie braune Farbe aus Zwiebelschalen her. Als sie damit fertig ist, gießt sie aus dem großen Topf Farbe in die kleineren Töpfe von Balduin und Agnes. Danach stellt sie aus Rotkohl violette Farbe für Papa und Opa her.

„Mama, darf ich helfen?", fragt Hopser.

„Hopser, du bist noch viel zu klein", sagt Mama und läuft mit ein paar kleinen Farbbechern zu Papa. Gleich darauf schickt sie Ibo und Magda in den Garten um weitere Pflanzen zu holen.

Sie selbst eilt mit ein paar Farbtöpfen in die Nachbarhütte, in der Opas Werkstatt ist.

„Ich kann auch Kamille suchen und Möhren und und und ..." Hopser verhaspelt sich, so schnell muss er alles vorbringen.

„Nein, du bist noch zu klein", sagt Magda. Sie nimmt einen Spannkorb aus dem Regal.

„Kamille und Möhren zu Ostern!" Ibo lacht ihn aus und springt mit Magda in den Garten.

Hopser lässt seine langen Ohren hängen. Nie darf er helfen. Dabei ist er doch schon so groß. Und Ibo braucht ihn gar nicht auszulachen. Er kann schon so viel! Deshalb folgt er seinen Geschwistern in den Garten. Magda und Ibo pflücken Birkenblätter von den Zweigen. Hopser will es nachmachen, aber er reicht nicht an die Zweige, obwohl er sich auf die Zehenspitzen stellt. Also zieht er ein paar Krokusse aus dem Beet.

„Lass Mamas Blumen stehen", sagt Magda böse.

Hopser schluckt. Er will doch nur helfen. Aber keiner will ihn haben.

(...)




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