Nach langer Zeit habe ich wieder eine kleine Geschichte über Ratte Prinz und seine Freundin Rapunzel geschrieben. Zu lesen ist sie in der Weihnachts-Textwerkstatt, die ich schon seit 2011 betreibe. Schaut doch einmal vorbei. Man kann dort in Leseproben, Geschichten und Gedichte von vielen Autoren stöbern. Und natürlich meine neueste Geschichte Rapunzel und Prinz kaufen einen Weihnachtsbaum lesen.
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Sonntag, 15. Dezember 2019
Sonntag, 15. Februar 2015
Prinz im Blumenladen
„Raja, beeil dich, sonst hat der Laden zu, bevor wir dort sind.“ Oma steht im Flur und ruft. Und bevor Rapunzel sich Gedanken machen kann, ob sie mich mitnimmt, schlüpfe ich schnell in die große Tasche ihres Kapuzenpullis.
Die Großeltern sind ganz selten zu Besuch. Und wenn sie kommen, bleiben sie selten lange. „Ihr seid uns zu anstrengend“, meint Opa immer. Ich muss ihn mal fragen, ob er mich mitnimmt. Mir ist meine Menschenfamilie nämlich auch zu anstrengend.
Ständig macht mindestens einer aus der Familie auf irgendeinem Instrument Krach. Bei zwei Erwachsenen und sechs Kindern ist das schon schlimm genug. Zudem streiten sie sich lautstark, wer das arme Klavier zuerst quälen darf. Oder wer die Tür schließen soll. Zum Schluss bleibt sie offen und alle müssen sich die Musik anhören.
Wenn die Kinder in der Schule sind, sollte es eigentlich leise sein. Irrtum. Dann kommen nämlich die Musikschüler der Mutter. Oder sie trillert so laut, dass die Polizei anrücken müsste. Sie probt nämlich für ihre Auftritte als Sängerin.
Am besten nehmen die Großeltern nicht nur mich mit, sondern auch Rapunzel. Das würde das Nesthäkchen der Familie vor einem Gehörschaden bewahren. Und ich wäre nicht so allein.
Jetzt bin ich der Großmutter dankbar, dass wir einkaufen gehen und ich dem Lärm entkomme. Eine Weile schweigen die beiden. Schließlich meint Großmutter: „Herrlich, diese Ruhe.“
Rapunzel fasst ihre Hand und hüpft neben ihr her. Mir wird ganz schlecht von dieser Schaukelei. „Morgen wird es wieder besser. Rosenrot meinte, wir müssten etwas zum Valentinstag einüben. Zorro hat sie zwar ausgelacht und gemeint, Valentinstag ist kein Feiertag, Und Winnetou meinte, es ist nur für Verliebte. Aber Rosenrot wollte unbedingt, dass wir etwas vortragen“, erzählt Rapunzel. Rosenrot, Zorro und Winnetou sind Rapunzels Geschwister. In dieser verrückten Familie haben alle verrückte Spitznamen.
„Hm, sonst macht ihr aber auch immer viel Krach“, sagt Oma.
„Dann spielt doch mit. Oma, du kannst mit mir flöten. Zu zweit macht es viel mehr Spaß.“
Oma macht ein Gesicht, als würde es ihr keine Freude machen. Deshalb hält Rapunzel lieber ihren Mund. Und dann erreichen wir auch schon den Blumenladen. Hier duftet es nach Frühling. Überall stehen Eimer mit ganz vielen Blumen. Tulpen, Osterglocken, Rosen und was weiß ich.
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Sonntag, 3. November 2013
Ratte Prinz im Weihnachtsbaum
Seit Tagen tuscheln die Großen
miteinander. Was die wohl haben? Selbst wenn ich meine Ohren spitze, höre ich nichts.
Dabei besitze ich ein viel feineres Gehör als die Menschen.
Einmal schnappe ich etwas wie
Überraschung und Geschenke auf. Doch dann bemerkt Schneeweißchen, die große
Schwester meiner Prinzessin, dass Rapunzel und ich in der Nähe sind und zischt:
„Pst“. Danach ist kein Wort mehr zu verstehen. So eine Gemeinheit, als ob ich
etwas verraten würde! Für wen halten die mich? Ich bin der beste
Geheimnisbewahrer der Familie!
Rapunzel kommt mittags mit klebrigen
Fingern aus der Schule. Sie ist sechs Jahre alt und geht in die erste Klasse.
Vor ein paar Monaten hat sie mir das Leben gerettet und mich mit einem Schal
aus einem Kanal gezogen, sonst wäre ich ertrunken. Deshalb nennen ihre
Geschwister sie jetzt Rapunzel, nach der Prinzessin aus einem Märchen. Sie ließ
den Prinzen an ihrem Haar hochklettern.
Ich bin eine kleine goldfarbene Ratte
aus königlicher Familie. Eine alte Prophezeiung sagt, dass wir einst verhext
wurden. Deshalb können wir uns mit den Menschen in ihrer Sprache unterhalten.
Erst wenn der auserwählte Prinz eine liebende Prinzessin findet, werden wir
erlöst. Deshalb bleibe ich bei Rapunzel. Allerdings wird es noch lange dauern,
bis sie erwachsen ist und mich heiraten kann.
„Nimmst du mich morgen mit zur Schule?“,
frage ich am Abend, als sie ihren Schlafanzug anzieht.
„Nein, das geht nicht.“
„Warum nicht? Ich bleibe im Ranzen und bin
ganz leise“, verspreche ich.
Rapunzel lacht nur.
„Wenn du mich hierlässt, ärgere ich
deinen Vater“, drohe ich.
Sie schüttelt den Kopf, dann schlüpft
sie unter die Decke und nimmt sich ein Buch. Sie darf jeden Abend zwei Seiten
lesen, bevor sie schlafen soll.
„Ich nage in der Vorratskammer alle
Lebensmittel an.“ Irgendwie muss ich sie doch herumbekommen.
Aber sie antwortet gar nicht mehr, so
vertieft ist sie in ihr Buch.
Wenn sie mich schon allein lassen, muss
ich halt jede Gelegenheit nutzen, um einen Spaziergang zu machen. Am nächsten
Morgen herrscht wie üblich Lärm und Unruhe. Rapunzel kommt noch einmal in das
Zimmer um ihren Turnbeutel zu holen.
„Rapunzel, beeile dich, sonst kommst du
zu spät“, ruft Nachtigall.
„Prinz braucht Wasser.“
„Das mache ich, mit dem Fahrrad bin ich
schneller in der Schule.“ Zorro, der zweitälteste der Geschwister, schiebt
Rapunzel samt Turnbeutel aus dem Zimmer. Dann beugt er sich zu mir herunter,
schüttet etwas Futter in den Napf und holt aus dem Badezimmer frisches Wasser.
Dabei hakt er meine Käfigtür nicht richtig ein. Sobald Ruhe einkehrt, klettere
ich raus und springe die Treppe hinunter. Ich habe Glück, die Wohnzimmertür
steht offen. Normalerweise ist sie geschlossen. Ich schlüpfe hinein und sehe
mich gründlich um. „Ihr dürft nur zum Klavierspielen ins Wohnzimmer oder wenn
wir dabei sind!“, hat Nachtigall bestimmt. Nachtigall ist Rapunzels Mutter. Sie
wird so genannt, weil sie Sängerin ist und schön wie eine Nachtigall singt.
Im Wohnzimmer stehen ganz viele Bücher
im Regal. Und auf einem Tisch neben dem Klavier stapeln sich Noten. Bergeweise.
Wer soll das bloß alles spielen? Ich schaue es mir an. Obenauf liegen Stücke
von Beethoven. Dabei klimpert hier niemand den alten Beethoven. Die Kinder
lieben eher Schlager und selbst Nachtigall bevorzugt modernere Stücke.
An der Wand hängen sehr bunte Bilder.
Sicher stammen sie von Picasso. Nicht dem berühmten Maler, der vor vielen
Jahren gelebt hat, sondern Rapunzels Vater. Der versucht nämlich, mit seiner
Kleckserei Geld zu verdienen. Die Kinder nennen ihn deshalb respektlos Picasso.
Seine Bilder sehen wirklich so ähnlich aus wie bei dem großen Künstler. Lauter
Farbspritzer, unter denen man sich nichts vorstellen kann. Vor einiger Zeit
konnte man wenigstens noch ein paar verzerrte Gesichter erkennen, aber momentan
sind es nur Striche, Vierecke, Kreise und Punkte.
In einer Ecke stehen ein Computer und
ein Fernsehgerät. Die Kinder dürfen nur selten fernsehen, sie sollen nämlich
lieber auf ihren Musikinstrumenten Krach machen. Wie gut, dass wir in einem
alten Haus mit einem großen Garten wohnen. Dadurch leiden die Nachbarn nicht so
sehr unter dem Lärm. Der eigentliche Grund für das Verbot ist sicher die Angst,
dass der alte Fernseher ganz kaputt geht.
Gerade als ich es mir auf der Sofalehne
gemütlich machen will, höre ich Schritte näherkommen. Vorsichtshalber springe
ich auf den Tisch nebenan und verstecke mich unter einem Notenheft.

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