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Sonntag, 1. September 2013

Hochfliegende Pläne




Ehrgeizig hatte Kurt zeitlebens sein Ziel verfolgt, berühmt zu werden wie Schliemann. Als Kind quälte er sich mit Nachhilfe durch die Schule, wiederholte eine Klasse ausgerechnet wegen Latein. Natürlich kämpfte er auch um den Studienplatz. Zuerst klagte er ohne Erfolg, schließlich rückte er aber über die Warteliste vor. Nach sechzehn Semestern machte er seinen Abschluss. Die anschließende Promotion dauerte noch einmal sechs Jahre. Endlich sollte der spannende Teil seines Lebens beginnen, mit Ausgrabungen im Urwald Karriere machen.
Hoffnungsvoll bewarb er sich. Zuerst für Projekte im Ausland, dann als wissenschaftlicher Mitarbeiter an Universitäten, als Stadtarchäologe in Kleinstädten. Vergeblich.
Schließlich erwarb er den Taxenschein. An seinem freien Tag sitzt Kurti regelmäßig bei Erwin in der Kneipe. Wenn er das richtige Quantum intus hat, träumt er von Ausgrabungen.



© Annette Paul

Sonntag, 28. Juli 2013

Kreative Muße




Träge lag ich im Liegestuhl. Bloß nicht rühren. Jede Bewegung oder Berührung schmerzte. Meine Arme und Beine sahen krebsrot aus. Trotz des Schattens unter dem Sonnenschirm trug ich eine langärmlige  Bluse und einen knöchellangen Rock. An meinen neuen, sexy Bikini war nicht mehr zu denken, anderenfalls hätte ich im stickigen Hotelzimmer bleiben müssen. Müde blickte ich aufs Meer.
Das kristallklaren Wasser erfrischt mich herrlich. Unter mir sah ich Fischschwärme vorüberziehen, der Himmel über mir war wolkenlos und das Meer lag ruhig wie ein Spiegel.
In der Ferne sprangen Delphine aus dem Wasser. Der Strand in dieser einsamen Bucht war genau der richtige Ort um kreativ zu arbeiten. Sobald ich aus dem Wasser stieg, würde mein Stift über das Papier eilen und Seite um Seite füllen. Endlich würde ich die Fortsetzung meines Bestsellers beenden, auf die mein Verleger schon sehnsüchtig wartete.
Der gut aussehende Animateur der Hotelanlage beugte sich über mich und küsste mich wach. Lächelnd öffnete ich die Augen und schaute mich verwirrt um.
Den jungen Mann erblickte ich nirgends, nur die übergewichtige, redselige Alte aus dem Nachbarzimmer. Stöhnend wendete ich mich ab und sah den widerlichen Grabscher, sollte der mich? Nicht in Gegenwart seiner Frau. Erleichtert ließ ich mich zurücksinken.

©Annette Paul