Freitag, 12. Juni 2015

kulturstrom: Die Leidenschaft des Schmökerns



Der Journalist WolfgangSchwerdt war so lieb, mich zu befragen und das Gespräch auf seiner Seite zu veröffentlichen: 



Ich habe mich sehr gefreut, mal als Autorin und nicht nur als Bloggerin der Schmökerratten und Schmökerfreaks wahrgenommen zu werden.


Mittwoch, 3. Juni 2015

Weiterentwicklung des Blogs



Im November 2011 bastelte ich meinen ersten Blog zusammen und nannte ihn „Probeschmökern bei Annette Paul“. Tagelang kämpfte ich mit der Technik. Schließlich musste eine Homepage oder ein Blog her, um meine neuen E-Books vorzustellen. Der #SampleSunday sollte viele Leser locken und versprach eine Möglichkeit, bekannt zu werden.
Viereinhalb Jahre veröffentlichte ich hier Leseproben meiner Büchern und Kurzgeschichten, die in Anthologien erschienen, dazu viele Kürzestgeschichten, die meisten entstanden in Schreibworkshops von Heidrun Schaller. In der gesamten Zeit leistete mir der Blog treue Dienste.
Inzwischen habe ich mich weiterentwickelt und die Weihnachts-Textwerkstatt, die Schmökerratten und die Schmökerfreaks ins Leben gerufen. Zudem lernte ich viele Internetauftritte von anderen Autoren kennen, während der #SampleSunday, zumindest in Deutschland, nicht einschlug. Kaum ein Autor beteiligt sich noch daran. Deshalb überlegte ich eine Weile, einen neuen Blog aufzumachen. Um erneute Kämpfe mit der ungeliebten Technik zu vermeiden, entschloss ich mich, lieber den bestehenden Blog so nach und nach zu verändern. Mal sehen, wo wir beide im Laufe der Zeit landen.

Sonntag, 10. Mai 2015

Das erste Date



Sorgfältig schminkt Carina sich, anschließend steht sie lange vor dem Kleiderschrank und überlegt, bis sie sich für die hautenge Glitzerjeans und das bauchfreie Top, darüber die Spitzenbluse entscheidet. Als er nicht pünktlich um zwanzig Uhr an der Tür klingelt, sorgt sie sich. Hat er sie versetzt? Vielleicht findet er ihre Freundin Anna mit ihren langen schwarzen Haaren attraktiver? Immer wieder läuft sie im Zimmer auf und ab, bleibt am Fenster stehen und lugt hinter der Gardine zum Fenster hinaus.
Endlich hält sein Wagen vor dem Haus und er steigt aus. Sie lässt sich Zeit, als er klingelt. Dafür akzeptiert sie sofort seinen ersten Vorschlag zum Italiener zu gehen. Dort ist es voll, sie sind zu spät dran. In der Ecke vorm Klo bekommen sie noch den kleinen Tisch. Normalerweise wird hier das Geschirr abgestellt. Carina findet es gut, abseits zu sitzen. So können sie sich besser unterhalten. Doch kaum hat der Kellner ihnen die Cola hingestellt, brummt sein Smartphone und er liest die Mitteilungen. Carinas Frage beantwortet er zerstreut, weil er gleichzeitig eine Antwort eintippt. Anschließend studiert er seine eingegangenen E-Mails.
Gelangweilt schaut sich Carina die Fotos an der Wand an. Würden sie weiter vorne sitzen, könnte sie wenigstens die anderen Gäste beobachten. Soll sie ebenfalls ihr Handy zücken? Sie hofft auf viele Retweets bei Twitter. Sie braucht unbedingt noch 50 neue Follower, dann hat sie endlich Anna übertroffen. Aber sie ist doch extra hierhergekommen, um Vincent kennenzulernen, also lässt sie ihr Handy stecken.
Erst als der Kellner die Pizza bringt, legt Vincent das Smartphone aus der Hand, schnell greifbar neben den Teller.
„Wollen wir gleich ins Kino gehen?“, fragt er. Carina nickt.
Vincent legt Messer und Gabel aus der Hand und sucht im Internet nach dem Kinoprogramm. „Nebenan läuft gleich ein Horrorfilm und eine deutsche Komödie. Im Cineklacks läuft der neue Film mit Brad Pitt und noch so ein komischer französischer Film.“
„Die Komödie“, sagt Carina. „Da können wir zu Fuß hingehen.“ Sie nimmt sich vor, ganz eng neben ihm zu laufen, damit er gezwungen wird, seinen Arm um sie zu legen.
Es klappt wie gehofft. Gleich auf der Straße berühren sich ihre Schultern und Hüften und er legt seinen Arm um ihre Schulter. Doch dann zückt er sein Smartphone und telefoniert mit seinem Freund bis sie das Kino erreichen. Selbst in der Warteschlange an der Kasse surft er bei Facebook. Er merkt gar nicht, wie sich Carina aus seinem Arm löst, als ein paar Kinogäste an ihnen vorbei aus dem Saal drängen, und mit ihnen gemeinsam das Kino verlässt.



©Annette Paul

Sonntag, 22. März 2015

So eine langweilige Fahrt



Anna und Torben sitzen im Auto. Schon seit Stunden sind sie unterwegs. Anna hat ihre Lustigen Taschenbücher durchgelesen, zwei Bilder gemalt und alle ihre CDs gehört. Einmal haben sie auf einem Parkplatz gehalten. Da gab es einen Spielplatz und Anna hat geschaukelt und hat Bockspringen gemacht.
Jetzt hat sie keine Lust mehr.
„Mama, wann sind wir endlich da?", fragt sie.
„In einer Stunde."
„Mir ist so langweilig."
„Ich muss mal", sagt Torben.
„Bei der nächsten Gelegenheit halten wir", verspricht Papa.
Kurz darauf fährt er auf einen Rastplatz und hält. Mama steigt mit Torben aus.
„Du kommst auch mit", sagt sie zu Anna.
„Ich muss gar nicht", sagt Anna.
„Du gehst trotzdem. Wer weiß, wann wir das nächste Mal eine Toilette finden."
Anschließend spielen sie auf der Wiese Fangen. Mama verliert immer. Sie ist so langsam. Noch viel langsamer als Torben. Als Mama keine Puste mehr hat, setzen sie sich auf eine Bank und essen Kuchen und trinken Saft. Aber dann fahren sie weiter.
Mama sagt: „Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist grün."
Sie brauchen lange, um es zu finden. Schließlich zeigt Torben auf das Autoradio. „Der grüne Punkt da."
Eine Zeitlang spielen sie. Dann ist ihnen wieder langweilig.
Mama singt: „Wer will fleißige Handwerker sehen." und „Zeigt her eure Füße". Die Lieder aus dem Kindergarten kennt sie nicht. Anna und Torben singen mit. Sie haben sie schon ein paarmal mit Mama gesungen. Anschließend singt Anna noch zwei Kindergartenlieder. Dann ist ihr wieder langweilig.
„Wann sind wir da? Die Stunde ist um", sagt Anna.
„Bald", sagt Papa. Mit einer Hand zeigt er zur Seite. „Seht ihr die Kuh da auf der Weide. Die Bunte da. Die wartet schon auf uns. Ich habe ihr geschrieben, dass wir kommen und eine Wiese brauchen, um den Drachen steigen zu lassen. Da hat sie geantwortet, wir dürfen ihre Weide benutzen. Aber ihr Kalb möchte auch einmal die Schnur vom Drachen halten und ihr bester Freund, das Giraffenbaby, auch."
„Eine Giraffe?", fragt Torben.
„Ja, eine Giraffe und ein Elefant und ein Löwe."
Anna lacht. „Gibt es auch ein Känguru?"
„Ja, auch ein Känguru", sagt Papa.
„Können wir die besuchen?", fragt Torben.
„Ja."
„Jeden Tag?", will Torben wissen.
Papa schweigt.
Anna lacht. „Papa erzählt dir nur eine Geschichte."
„Oh", Torben ist enttäuscht.
„Aber einmal besuchen wir die Tiere wirklich, dann gehen wir in den Zoo", verspricht Papa.
„Wir sind da. Da vorne ist unser Haus", sagt Mama. Sie hält und Anna und Torben Klettern aus dem Auto. Das Haus hat einen großen Garten mit einer Schaukel. Da laufen sie gleich hin.

©Annette Paul